Das doppelte „G“ ist verstummt

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass ist im Alter von 87 Jahren am 13.4.2015 in Lübeck gestorben. Die Buchhandlung zur Heide trauert um diesen mutigen und nimmermüden Autoren, dem sie sich eng verbunden fühlt. Über Jahrzehnte hat der gebürtige Danziger immer wieder großartige Romane und einfühlsame Gedichte vorgelegt. Auch als Bildhauer, Maler und Grafiker trat Grass hervor - oftmals schuf er kongeniale bildnerische Ergänzungen zu seinen literarischen Werken.
Bis zuletzt legte er als für manche unbequemer Querdenker und Aktivist auf politischer Bühne immer wieder auch abseits der Literatur den Finger in aus seiner Sicht offene Wunden. Auch damit trug er zu mehr Demokratie und Bewußstein in der sich entwickelnden Bundesrepublik bei.

Dreimal kam Grass als Gast der Buchhandlung zur Heide zu LITTERA-Veranstaltungen nach Osnabrück: Als frisch gebackener Nobelpreisträger mit seinem epochalen Werk „Im Krebsgang“ am 12. Juli 2002, danach am 30.11.2008 zu einer Lesung aus „Die Box“ und zuletzt am 23.1.2014 anlässlich einer Ausstellung von seinen Grafiken und Zeichnungen in Osnabrück. In Zusammenarbeit mit dem Grass-Biografen Volker Neuhaus, dem BBK Osnabrück und der Stadt Osnabrück gelang es, diesen bedeutendesten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur für einen Besuch in der Friedensstadt zu begeistern, obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren keine Lesungstermine mehr wahrnahm. Hier gab Grass noch einmal eine Probe seines einzigartigen Könnens als Vorleser und fesselte die Zuhörer, von denen manchem sicherlich die historische Dimension der Stunde bewusst war.

Wir trauern um Günter Grass und werden seine Worte, aber auch seine Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit sehr vermissen. Wir danken ihm für die vergnüglichen und nachdenklichen Stunden, die uns die Lektüre seiner Bücher bereitet hat, und seine Einwürfe, Anregungen und vielfaches literaturförderndes Engagement. Am Ende soll er selbst zu Wort kommen, mit dem Gedicht „Wegzehrung“, das das Günter-Grass-Haus in Lübeck zu seinem Tode auf seine Homepage gestellt hat:

„Mit einem Sack Nüsse will ich begraben sein und mit neuesten Zähnen. Wenn es dann kracht, wo ich liege, kann vermutet werden: Er ist das, immer noch er.“

Text: Lennart Neuffer. Alle Bilder hat Janik Langenberg aufgenommen.