Deutscher Jugendliteraturpreis 2013 - Freude auch in der Buchhandlung zur Heide

Am 11. Oktober 2013 wurde auf der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Jugendliteraturpreis verliehen. Die Auszeichnung wird seit 1956 jährlich für herausragende Kinder- und Jugendbücher vergeben und ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung zählt mit über 1.300 Gästen aus dem In- und Ausland zu den größten Veranstaltungen auf der Frankfurter Buchmesse.

Die Kritikerjury prämierte vier Bücher, die ihre Leserinnen und Leser in besonders eindrucksvoller Weise ernst nehmen. Die Spartenpreise im Bilder-, Kinder-, Jugend- und Sachbuch sind mit je 8.000 Euro dotiert.

Als bestes Bilderbuch konnte sich Wo ist mein Hut (NordSüd) von Jon Klassen, in der Übersetzung von Thomas Bodmer durchsetzen: „Jedes Detail dieser strukturell einfachen, aber vielschichtigen Geschichte hat seine Funktion, es gibt keine überflüssigen Requisiten und doch für große und kleine Betrachter eine Menge zu entdecken.“ Die Auszeichnung freute in Osnabrück Kathrin Bruhn (li.) und Lydia Neuffer (re.) von der Buchhandlung zur Heide besonders. Die hiesigen Kinderbuchexpertinnen hatten ein bundesweites Preisauschreiben zum „Roten Hut“ mit der gelungensten Bildidee gewonnen - mit einer Referenz an den „Räuber Hotzenplotz“!

Im Kinderbuch wurden Frank Cotrell Boyce (Text), Clare Heney und Carl Hunter (Fotografie) sowie Salah Naoura (Übersetzung) für Der unvergessene Mantel (Carlsen) ausgezeichnet: „In diesem Roman wird das Thema einer Kinderfreundschaft über kulturelle Hindernisse hinweg erzählt. Eine außergewöhnliche Geschichte über die Macht der Kunst und ihre Grenzen, die nebenbei unter Beweis stellt, dass es auch heute noch möglich ist, Kindern jenseits wohlfeiler Klischees, von den Chancen und Schwierigkeiten des interkulturellen Verstehens zu erzählen.“

Sieger in der Sparte Jugendbuch wurden die georgische Autorin Tamta Melaschwili und ihr Übersetzerin Natia Mikeladse-Bachsoliani mit Abzählen (Unionsverlag): „Ein Roman über den Krieg, in dem kein einziger Schuss fällt, und doch offenbaren sich die Schrecken in schmerzhafter Deutlichkeit. Ein Debüt von großer emotionaler Wucht und verstörender Authentizität, dem man, obwohl es nicht ausdrücklich an junge Leser adressiert ist, eine intensive Rezeption im jugendliterarischen Kontext wünschen möchte.“

Mit seiner grafischen Biografie Der Boxer (Carlsen) konnte Reinhard Kleist in der Sparte Sachbuch überzeugen: „Kleist hat eine atmosphärisch dichte, künstlerisch überzeugende grafische Erzählung geschaffen und ein Sachbuch mit großem Aufklärungspotenzial. Dazu trägt vor allem die differenzierte Darstellung der Persönlichkeit Hertzko Hafts bei und der Verzicht auf eine oberflächliche Opfer- oder Heldengeschichte.“

Die Jugendjury, die in diesem Jahr ihr 10-jähriges Bestehen feiert, vergab den mit 8.000 Euro dotierten Preis der Jugendjury an Das Schicksal ist ein mieser Verräter (Hanser) von John Green, in der Übersetzung von Sophie Zeitz: „Die ironische, fast schon sarkastische Art, wie Green die beiden Hauptpersonen, mit ihrer Krebserkrankung umgehen lässt – jede auf ihre ganz eigene Weise –, ist bewundernswert erfrischend. Trotz der humorvollen Herangehensweise verharmlost das Buch die Krankheit nicht. Die Geschichte wirkt authentisch. Ein Buch, das Mut macht!“, finden die jugendlichen Juroren.

Der mit 10.000 Euro dotierte Sonderpreis für das Gesamtwerk ging an den deutschen Autor Andreas Steinhöfel, der u.a. die Romane Die Mitte der Welt und Paul Vier und die Schröders verfasst hat. Die Jury würdigt damit Steinhöfels Sprachwitz, seine unsentimentale und gleichzeitig emphatische Erzählweise: „Andreas Steinhöfel räumt mit gängigen Klischees im Kinder- und Jugendbuch radikal auf. Er nimmt seine Leser an die Hand und führt sie in Abenteuer, die man atemlos liest. Seine Erzählstrukturen sind voller Paradoxien, er irritiert damit den arglosen Leser und zwingt ihn erbarmungslos zum Nachdenken.“

Die Bilder zeigen die Preisträger oder ihre Vertreter (alle Fotos sind von José Poblete):
 - Herwig Bitsche, Verleger von Jon Klassen
 - Frank Cottrell Boyce
 - Tamta Melaschwili und ihre Übersetzerin Natia Mikeladse-Bachsoliani
 - Reinhard Kleist
 - Sophie Zeitz, die Übersetzerin von John Green
 - Andreas Steinhöfel