Ein Souvenir für unsere Buchhandlung

daserstemal2_2.jpg2013 machte der Blumenbar Verlag Furore: Monika Zeiner fand mit „Die Ordnung der Sterne über Como“ Aufnahme in die Endauswahl für den Deutschen Buchpreis. Jetzt erschien im Verlag der Debütroman einer anderen bisher unbekannten Autorin: Nina Sahm.

Ob Nina Sahm schon einmal in Osnabrück gewesen ist, wissen wir nicht. Aber sie hat eine kleine Geschichte für unsere Buchhandlung geschrieben, für die wir den ersten Halbsatz vorgeben konnten, und die wir Ihnen gerne vorstellen:

 

»Das erste Mal, dass ich von Osnabrück hörte«, erinnerte sich Hannes, »war vor 17 Jahren.« Am Kiosk hatte er in der Schlange hinter einer dunkelhaarigen Frau gestanden, sie war in ein Magazin vertieft und Hannes musste ihr auf die Schulter tippen, als sie an der Reihe war. Sie bedankte sich, ging davon. Hannes folgte ihr.
»Wir kennen uns«, sagte er, als sie ihn bemerkte.
»Das kann nicht sein.«
»Warum?«
»Ich habe bis gestern noch in Osnabrück gewohnt.«
»Und vorher?«
»Ich wurde dort geboren.«
Hannes stutzte. Er war sich sicher, ihr herzförmiges Gesicht schon einmal gesehen zu haben, den kurzen, fast mädchenhaften Pony und die schmalen Schultern. Er sah sie in einem roten Rock und einem trägerlosen Top vor sich stehen.
»Sie haben ein großes Muttermal auf der linken Schulter«, erinnerte er sich.
Nun stutzte sie.
»Das stimmt.«
Sie zogen zusammen, tauschten die Namen in ihren Adressbüchern aus und erzählten sich von ihren Urlaubsreisen. Sie beschrieben ihre ehemaligen Kommilitonen und ihre Kollegen, erinnerten sich an Kindheitsausflüge und entfernte Verwandte, wälzten  Fotoalben und lasen sich alte Ansichtskarten vor. Eine Übereinstimmung fanden sie nicht. Bei ihrer Hochzeit erzählten sie lachend von ihrem Kennenlernen und hofften heimlich, einer der Gäste wüsste eine Erklärung. Erst als sie schon ein Kind hatten und Hannes sein Arbeitszimmer ausmistete, um mehr Platz zu schaffen, fiel ihm ein Buch in die Hände. Er hatte es irgendwann nach dem Abitur in einem Antiquariat gekauft, aber nur einmal flüchtig darin geblättert. Es lag ein leicht vergilbtes Foto von einer jungen Frau darin, Hannes erkannte sie auf den ersten Blick.

 

Seit Nina Sahm bei einem Studienaufenthalt in Budapest für eine ungarische Kulturzeitschrift eine Rezension zu Antal Szerbs „Reise ins Mondlicht“ verfasste, ist das Land ein fester Bestandteil ihres Lebens und Schreibens. Und so spielt ihr Erstling „Das letzte Polaroid“ über eine intensive Sommerfreundschaft auch zum größten Teil in Ungarn. Und wieder spielt ein Foto, wie in unserer Osnabrück-Geschichte, die Hauptrolle!