Letztes Buch von Günter Grass ist erschienen

„Vonne Endlichkait“ heißt das letzte von Günter Grass komplett mitgestaltete Buch des Literatur-Nobelpreisträgers, das Verleger Gerhard Steidl am 25. August 2015 in Göttingen präsentierte. Wie auch Lektor Dieter Stolz erläuterte, hat der von etlichen Krankheiten gezeichnete Grass im Herbst 2013 wieder Schwung und Laune am Fabulieren gefunden. Mit sichtbarer Freude, mit Humor und Altersweisheit verfasste er kleinere Prosastücke und darauf bezogene Gedichte, zu denen er sich zu zuerst kongenialen Aquarellen, dann Rötelzeichnungen und schließlich Bleistiftzeichnungen inspirieren ließ. In enger Zusammenarbeit mit dem Verleger entstand so ein einzigartiges Buch, das - so Steidl - ein „wunderbares Abschiedsgeschenk“ von Grass an seine Leser ist. In Anwesenheit von Ute Grass und mehr als hundert Premierengästen legte Steidl im Günter-Grass-Archiv bei der Vorstellung dieses Vermächtnisses immer wieder Wert auf den Hinweis, dass Grass großen Einfluss auf die herstellerische Gestaltung nahm und auch wie bei jedem seiner neuen Bücher einen Workshop für die Übersetzer plante. Jetzt muss das Lesepublikum zwar auf den großen Vorleser Grass verzichten - aber wer hat nicht seine Stimme im kaschubischen Tonfall im Ohr, wenn man sein letztes Gedicht liest (S. 173)?

Vonne Endlichkait

Nu war schon gewäsen.
Nu hat sech jenuch jehabt.
Nu is futsch un vorbai.
Nu riehrt sech nuscht nech.
Nu will kain Furz nech.
Nu mächt kain Ärger mähr
un baldich bässer
und nuscht nech ibrich
un ieberall Endlichkait sein.

 

Text und Fotos: Lennart Neuffer